Ein so weit verbreiteter Denkfehler bei Ausländerkriminalität, dass sogar die Landeskriminalämter darauf hereinfallen und sich korrigieren müssen. Und warum Deutsche in Österreich mehr als doppelt so kriminell sind.
Ich glaube, du solltest dir den Artikel nochmal unvoreingenommener durchlesen:
Es macht wenig Sinn, dass man die hier wohnende Bevölkerung z.B. mit Touristen vermischt. Als plattes Beispiel: Auf Mallorca wohnen doch einige Deutsche, aber dann kommen noch zigtausend Touristen und du kannst logischerweise wenig korrekte Aussagen über die Finca-Besitzer und deutschen Auswanderer treffen, wenn du die Straftaten betrunkener Suffköppe am Ballermann in deine Statistik rechnest
Das gilt in gewissem Maße auch bei Straftaten, die die inländische Bevöllkerung nicht begehen kann wie z.B. eine Visumsüberschreitung oder eine illegale Einreise. Ist jetzt sicherlich nicht cool, wenn jemand mit einem Visum einreist und dann einfach bleibt oder wenn jemand mit Touristenvisum einreist und arbeitet und all das, aber daraus kannst du jetzt schlecht ableiten, dass Ausländer insgesamt krimineller oder gar gewalttätiger wären. Dazu kommt auch, dass die ausländerrechtliche Gesetzeslage echt ein Clusterfuck ist
Was dein verlinkter ZDF-Beitrag eigentlich sagen will ist: Kriminalität ist häufig alters- und milieugebunden. Jugendliche sind z.B. häufiger kriminell als der 80jährige Opa, aber der Opa war früher vllt. auch kriminell. Und bestimmte Milieus sind dann auch wieder krimineller als andere. Schaut man tiefer in die Statistiken, dann stellt man fest, dass Deutsche in den gleichen Lebensumständen halt ähnlich kriminell sind. Oder anders gesagt: Wenn du männlicher Jugendlicher in einem sozialen Brennpunkt bist, bist du mit ähnlicher Wahrscheinlichkeit kriminell, egal ob du Deutsch oder Ausländer bist.
Und dann kommt noch dazu, dass die polizeiliche Verfolgung bei Ausländern deutlich, deutlich anders ist als bei Deutschen. Die Debatte um rassistische Kontrollen in Bahnen kennen wir - und wenn du migrantische Jugendliche häufiger kontrollierst, sind die statistisch häufiger kriminell und dein tolles KI-Computersystem von Peter Thiel sagt dir, dass du die häufiger kontrollieren solltest. Aber als Biodeutscher kann ich dir sagen: Heilige Scheiße haben wir damals einen Haufen Kriminalität begangen und wir wurden schlicht und einfach nie erwischt. Und das liegt auch daran, dass wir halt sozioökonomisch anders aufgestellt waren. Ist halt deutlich weniger wahrscheinlich beim Kiffen erwischt zu werden, wenn das im Partykeller des Bürgermeistersohns passiert als wenn man irgendwo im Block rumhängt, wo die Polizei häufiger Streife fährt. Und für diese höchst professionelle Raubkopiererei brauchtest du halt Computer und so weiter und so fort. Haust du das in eine Polizeistatistik, dann kommt raus “deutsche Jugendliche wie Obelix sind Musterschüler und haben einen Führerschein” und “Migranten kiffen im Park und fahren Schwarz”. Äpfel und Birnen und so.
Hey, danke, dass du dir Zeit für eine ausführliche Antwort genommen hast.
Vielleicht war mein Post zu hastig abgesetzt. Ich stimme dir zu. Es macht wenig Sinn Touristen mit hier sesshaften Menschen mit einer anderen Nationalität zu vermischen. Genau aber das ist mein Argument, bzw. hier hatte ich versucht, die meiner Ansicht nach fehlerhafte Logik des Artikels zu kritisieren.
Denn der Vergleich in dem verlinkten Artikel hinkt diesbezüglich: Deutsche stellen die größte Gruppe an den Touristen in Österreich (Link). Entsprechend ist es logisch und wahrscheinlich, dass unter den straffälligen Deutschen viele Touristen sind.
Die straffälligsten Ausländer in Deutschland stammen, wie oben geschrieben, aus Syrien, Afghanistan, Rumänien und der Türkei (Link). Diese Länder tauchen aber in der Top Ten mit den meisten Touristen die nach Deutschland kommen gar nicht auf (Link).
Daraus können wir schonmal mit hoher Wahrscheinlichkeit schlussfolgern: Wir reden hier nicht über Touristen! Im Post des Volksverpetzers wird aber genau das suggeriert:
Nein, weil ganz offensichtlich Deutsche, die nicht in Österreich leben, einfach über die Grenze tuckern können und dort Straftaten verüben können! Dafür können aber die in Österreich lebenden Deutschen nichts.
Dann sagst du:
Und dann kommt noch dazu, dass die polizeiliche Verfolgung bei Ausländern deutlich, deutlich anders ist als bei Deutschen.
Ganz ehrlich, hast du dazu empirische Daten? Das würde mich interessieren. Natürlich kenne ich die Debatten, außer viel Empörung ist mir aber noch nicht viel Belastbares über den Weg gelaufen. Lasse mich da gerne belehren. Das Racial Profiling der Polizei basiert ja schlussendlich auf den Kriminalitätsstatistiken. Wenn wir das in einer Henne-Ei-Problematik betrachten, war dann natürlich zuerst die Kriminalitätsstatistik da und nicht das Racial Profiling. Ergo waren die Ausländer zuerst kriminell und dann wurden sie öfter kontrolliert.
Außer wir nehmen an, dass die Polizei grundsätzlich rassistisch ist. Wenn du dazu Daten hast, lass uns gerne darüber sprechen. Wir sollten es nur nicht als gefühlte Wahrheit in den Raum stellen, wenn es sich nicht belegen lässt.
Du schreibst des Weiteren:
Das gilt in gewissem Maße auch bei Straftaten, die die inländische Bevöllkerung nicht begehen kann wie z.B. eine Visumsüberschreitung oder eine illegale Einreise. […]
Dies lässt sich ja relativ einfach aus den Statistiken herausfiltern, die Polizei tut dies auch. Nennt sich dann “Straftaten ohne ausländerrechtliche Verstöße”.
Hier habe ich mir mal exemplarisch die gesamtdeutsche Kriminalstatistik der Bundesinnenministerkonferenz von 2023 ageschaut: Link.
Dort finden wir unter Punkt 7.2 eben jene Straftaten ohne ausländerrechtliche Verstöße:
Bei Erwachsenen ab 21 Jahren sind dort in absoluten Zahlen straffällig gewesen:
1018403 Deutsche
570856 Nicht-Deutsche
Bei einem Ausländeranteil von 15,2% in 2023, müssten die 1,018 Mio. Deutsche entsprechend 84,8% der Kriminalfälle ausmachen. Legt man dies zu Grunde, dürften statistisch proportional aber nur 182544 Nicht-Deutsche straffällig werden. Die Quote gemessen an der Gesamtbevölkerung ist in dieser Alterskohorte also mehr als doppelt so hoch. Wenn man dies z.B. für Kinder (0-14 Jahren) betrachtet ergibt sich ein ähnlich hoher Wert.
Damit wäre aus meiner Sicht auch folgendes Argument (in spezieller Betrachtung der verschiedenen Bevölkerungsgruppen) entkräfitgt:
Kriminalität ist häufig alters- […]gebunden. Jugendliche sind z.B. häufiger kriminell als der 80jährige Opas
Bleibt die Milieufrage. Schwierig zu disktuieren, weil es imho die Daten dzau schlichtweg nicht gibt. Da finde ich deine Argumentation aber eher plausibel. Möglich, dass Deutsche genauso kriminell wären wie manch ausgewiesene Bevölkerungsgruppe, wenn sie einen ähnlichen kulturellen und/oder sozio-ökonomischen Background hätten.
Dann stellt sich mir aber die Frage, warum wir das als Argument nehmen sollte, um diese, in diesem Moment kriminellen Bevölkerungsgruppen hier zu akzeptieren?
Anders ausgedrückt: Natürlich könnte man, wenn man diese Daten hätte, sagen, entsprechenden Gruppen sind nicht krimineller als Deutsche. Das ist dann aber kein Argument, genau diese Kriminellen mit Samthandschuhen anzufassen und zu sagen, wir hätten kein Problem.
Wenn z.B. junge Männer ein Problem sind, ist es dann sinnvoll den Anteil junger Männer an der Gesamtbevölkerung zu erhöhen? Mit Menschen die nichtmal unsere Werte teilen? Ich finde das schwierig. Das ist imho auch kein Naziargument.
Wenn sich jemand entschließt hierher zu kommen ist das schön, aber ich glaube an eine liberale Gesellschaft, dies setzt ein liberales Menschenbild voraus; Das widerum bedeutet, ich möchte zu einem großen Teil davon ausgehen, dass Mensche nicht reine Gefangene ihrer Umstände sind. Ich kann also eine doppelt so hohe Kriminalitätsrate unter Nicht-Deutschen nicht einfach mit einer Milieuargumentation weg-entschuldigen.
Ich hoffe, die Erklärungen gehen etwas tiefer. Ich würde mich über eine Antwort freuen.
Deskriptiv ist zu erkennen, dass
Gewalttaten am seltensten zur Anzeige gebracht wurden, wenn sowohl Opfer als auch Täterinnen-
deutscher Herkunft waren (6.6 %). Im Gegensatz dazu wurde die Tat am häufigsten zur Anzeige ge-
bracht, wenn sowohl das Opfer als auch die Täterinnen einen Migrationshintergrund hatten (15.5 %).
Opfer mit deutscher Herkunft zeigten Täter*innen mit Migrationshintergrund etwas häufiger an
(12.0 %)
Davon ab wehrt sich die Polizei ja seit Jahren erfolgreich gegen eine ernsthafte Erforschung dieser Frage, in sofern erstaunlich, dass wir überhaupt solche Daten wie oben haben.
1.) Also zu deiner ersten Statistik. Da unterschlägst du ja passend den letzten Satz:
Deskriptiv ist zu erkennen, dass Gewalttaten am seltensten zur Anzeige gebracht wurden, wenn sowohl Opfer als auch Täterinnen deutscher Herkunft waren (6.6 %). Im Gegensatz dazu wurde die Tat am häufigsten zur Anzeige gebracht, wenn sowohl das Opfer als auch die Täterinnen einen Migrationshintergrund hatten (15.5 %). Opfer mit deutscher Herkunft zeigten Täterinnen mit Migrationshintergrund etwas häufiger an (12.0 %), verglichen mit Opfern mit Migrationshintergrund, wenn die Täterinnen deutscher Herkunft waren (10.6 %).
Deutsche zeigen Deutsche, warum auch immer, weniger an. Ausländer zeigen Ausländer häufiger an. Sind die etwa rassistisch untereinander? Die mixed cases mit 12% vs 10.6% würde ich jetzt ehrlich gesagt nicht überinterpretieren. Hier könnte ich mir einen Einfluss von rassistischer Angst vorstellen, aber der Unterschied ist wirklich nicht groß, oder siehst du das anders?
Jetzt müsste man mal schauen welche Straftaten da im Detail begangen wurden, um nochmal mehr sagen zu können. Davon unabhängig zeigt sich für mich aber erstmal ein ziemlich unrassistisches Bild.
Weiter unten liest man dann auch:
Gewaltstraftaten, die einen finanziellen Schaden von mindestens 50 Euro verursachten, wurden in substanziell höherem Maße zur Anzeige gebracht (45.7 %) als Straftaten mit geringerem finanziellem Schaden (13.7 %) oder ohne jeglichen finanziellen Schaden (9.0 %). Ebenso wurde die Straftat deutlich häufiger angezeigt (30.5 %), wenn die betroffenen Jugendlichen nach der Opfererfahrung ärztliche Behandlung benötigten, im Vergleich zu Fällen, in denen zwar körperliche Verletzungen vorlagen, aber keine ärztliche Behandlung erforderlich war (7.6 %) bzw. wenn keine Verletzungen erlitten wurden (9.9 %).
Jetzt müsste man wissen, ob Ausländer und Deutsche im selben Maße entsprechende Straftaten begehn. Ist dem nicht der Fall, wäre schwups der hier gesehene “Racial Bias” verschwunden. Die Aufschlüsselung dieser Daten wird aber verschwiegen. Warum eigentlich?
Und vor allem, was hat die Statistik bitte mit der Strafverfolgung durch die Polizei zutun, auf die ich mich initial bezogen habe? Garnix. Auf der Seite geht es nur um Jugendkriminalität…
2.) Kommen wir zu deiner zweiten Statistik:
Hier handelt es sich um eine freiwillige Befragung. Repräsentativ sind die erhobenen Daten daher vermutlich erstmal nicht.
Aber schauen wir einmal etwas auf die Daten. Eine anscheinend große Anzahl an Polizisten sieht sich selbst als rechts. Also laut Studie 18%. Das ist im Übrigen weit entfernt von 25%, anders als die Überschrift zu erkennen geben mag. Das ist nämlich nichtmal jeder fünfte Polizist. Die Überschrift des Artikels fabuliert von “fast jeder Vierte”. Also sorry, wenn das nicht Meinungsmache ist, lol.
Wenn wir dann auch noch weitergehend auf die Daten schauen, sehen wir, dass zwar eine erhebliche Anzahl dieser Polizisten eine “Abwertung asylsuchender Menschen” zustimmend gegenübersteht (Was heisst das überhaupt? Müsste man die Studie mal lesen), nämlich 45,1%, dass aber auch gleichzeitig nur 6,9% der befragten Polizisten einer Ausländerfeindlichkeit zustimmend gegenüber standen. Wie passt denn das zusammen?
Die Polizisten sind vielleicht rechts (was gemeinhin auch konservativ bedeuten kann), aber eben keine Ausländerhasser, oder Rassisten. Vielleicht haben sie aber genau die Erfahrung gemacht über die wir hier reden: Viele Flüchtlinge oder Asylsuchende sind ein Problem in ihrer Alltagsrealität. Das führt zu der Diskrepanz zwischen diesen Zahlen.
Ehrlich gesgat sogar ziemlich differenzierend von den Polizisten, oder?
Um das zu verstehen, muss man aber die Artikel auch lesen. Denn wenn ich dir unterstelle, du hast den Artikel gelesen, dann müsste dir das eigentlich aufgefallen sein und dann würdest du böswillig falsch interpretieren.
Ob jetzt die 6,9% Fremdenfeindlichkeit ein Problem sind? Ich glaube ja.
Deutsche zeigen Deutsche, warum auch immer, weniger an. Ausländer zeigen Ausländer häufiger an. Sind die etwa rassistisch untereinander?
Torpfosten verschieben dein Lieblingssport? Du fragst “Hast du Beweise, dass Ausländer häufiger angezeigt werden?” Da ist die Antwort. Ja, werden sie. Ist doch egal, ob von anderen Ausländern oder von Deutschen, ihre Namen landen statistisch häufiger bei der Polizei, damit in der PKS, weil es eben eine dumme Eingangsstatistik ist. Ist sogar eher noch verschärfend, weil Ausländer auch überdurchschnittlich öfter Opfer von Verbrechen werden. Wenn also überdurchschnittlich viele Opfer die Täter anzeigen, wird daraus auch mehr “Kriminelle Ausländer, schlimmschlimm”. Ist also doppelt verschoben die Statistik.
Hier handelt es sich um eine freiwillige Befragung. Repräsentativ sind die erhobenen Daten daher vermutlich erstmal nicht.
Und das findest du nicht eher beunruhigend? Da sagen freiwillig Menschen, die eigentlich wissen sollten, was die “richtige” Antwort ist, “Na klar hab ich eine schlechte Meinung von Asylbewerbern”. Das finde ich ganz schön gruselig. Aber eine echte wissenschaftliche Untersuchung wird ja wie gesagt seit Jahren und Jahrzehnten verhindert. Aber man muss kein Genie sein, um aus den ganzen Einzelmeldungen von “Hupsi, wieder ein Polizeichat mit Hakenkreuzen aufgeflogen. Wieder Daten von linken Anwälten aus Polizeicomputern weitergegeben worden.” zu schließen, dass es vielleicht ein systemisches Problem ist. Zumindest ist noch keine Commerzbank-Investmentbänkergruppe oder Pflegergruppe mit Hakenkreuzchats aufgefallen.
Im Übrigen “Viele abwertend ggü. Asylbewerbern, aber nicht rassistisch” ist doch der ultimativ klassische Ansatz bei der Selbstbefragung von Rassisten. Meine Schwiegereltern würden bei einer Selbstauskunft auch völlig ehrlich überzeugt sagen “Nein, wir sind keine Rassisten. Unser türkischer Nachbar ist voll nett, mit dem reden wir sogar, also können wir keine Rassisten sein. Aber die ganzen Asylbewerber sind alles Messerstecher, Mädchenmörder und Vergewaltiger.” Das ist doch der urklassischste Trope der Welt. “Ich bin kein Rassist, ich kenne einen Schwarzen”.
Wie oben bereits geschrieben, legt die Statistik nahe, dass Deutsche Deutsche weniger anzeigen, weil die Straftaten eben geringfügiger sind. Ist natürlich eine Interpretation. Wäre aber gut, wenn du meine Kritik an den Zahlen auch liest und mir nicht das Wort im Munde herumdrehst.
Schau mal, man kann sich natürlich erstmal alles irgendwie zusammen schwurbeln. Du theoretisierst hier, dass das ein typisches rassistisches Argumentationsmuster ist. Es könnte aber auch genauso gut echte Lebenserfahrung der Polizisten sein.
Wir wissen es beide nicht, aber ich finde es erkenntnisfeindlich, wenn du dich einfach auf deine Interpretation versteifst und das als Wahrheit ansiehst, obwohl du im Grunde nichts weisst.
Mir vorwerfen, ich schwurbele mir was zusammen, das meine Weltsicht stützt, und sich dann eine Interpretation ausdenken “Bestimmt begehen die ganzen kriminellen Ausländer schlimmere Straftaten und werden deshalb öfter angezeigt. Es kann niemals nicht Rassismus sein, der ist nämlich überwunden” 😅 . Genau mein Humor.
Es könnte aber auch genauso gut echte Lebenserfahrung der Polizisten sein
Soso. Welche Lebenserfahrung rechtfertigt denn, ganze Gruppen von vornherein herabzuwürdigen? Das ist ja interessant. Ich finde, Polizisten dürfen gar keine voreingenommene Meinung über ganze Menschengruppen haben.
Dann stellt sich mir aber die Frage, warum wir das als Argument nehmen sollte, um diese, in diesem Moment kriminellen Bevölkerungsgruppen hier zu akzeptieren? Wenn z.B. junge Männer ein Problem sind, ist es dann sinnvoll den Anteil junger Männer an der Gesamtbevölkerung zu erhöhen? Mit Menschen die nichtmal unsere Werte teilen? Ich finde das schwierig. Das ist imho auch kein Naziargument.
Ich glaube, dass da ein großes Elemente drin steckt, das sich durch alle Posts durchzieht:
Diese Idee, dass irgendwer “den Anteil junger Männer erhöht”. Das ist aus meiner Sicht grundfalsch. Was passiert, ist, dass sich Leute auf den Weg nach Europa machen, weil sie sich davon ein besseres Leben versprechen. Das können so Dinge sein wie der Terror der Taliban, russische Bombardements in Syrien, aber auch einfach die Hoffnung auf ein besseres Leben. Du kannst selbst mal überlegen, ob du noch in Deutschland wärst, wenn es irgendwo auf der Welt ein Land gäbe, wo du das 100fache verdienen könntest, dafür aber eine gefährliche Reise auf dich nehmen musst. Was ich hier aber sagen will: Es erhöht keiner den Anteil, die Leute stehen einfach vor der Tür und können halt auch schlecht wieder ins Taliban-Afghanistan zurückgeschickt werden, weil das ein absolutes Kackland ist. Und ja, es ist ein riesiges Problem, dass Frauen diese Reise seltener machen können aus diversen furchtbar unmenschlichen Gründen. Schau dir an, was in Libyen passiert und du weißt, dass du als hübsche junge Frau nie nach Deutschland kommen wirst. Das ist kacke - aber wie beim Poker muss man halt mit den Karten spielen und es ist diese große Selbsttäuschung der Rechten, dass Migration irgendwie steuerbar wäre. Zumindest, wenn man halbwegs demokratisch und rechtsstaatlich bleiben will.
Ich glaube, du solltest dir den Artikel nochmal unvoreingenommener durchlesen:
Hey, danke, dass du dir Zeit für eine ausführliche Antwort genommen hast.
Vielleicht war mein Post zu hastig abgesetzt. Ich stimme dir zu. Es macht wenig Sinn Touristen mit hier sesshaften Menschen mit einer anderen Nationalität zu vermischen. Genau aber das ist mein Argument, bzw. hier hatte ich versucht, die meiner Ansicht nach fehlerhafte Logik des Artikels zu kritisieren.
Denn der Vergleich in dem verlinkten Artikel hinkt diesbezüglich: Deutsche stellen die größte Gruppe an den Touristen in Österreich (Link). Entsprechend ist es logisch und wahrscheinlich, dass unter den straffälligen Deutschen viele Touristen sind.
Die straffälligsten Ausländer in Deutschland stammen, wie oben geschrieben, aus Syrien, Afghanistan, Rumänien und der Türkei (Link). Diese Länder tauchen aber in der Top Ten mit den meisten Touristen die nach Deutschland kommen gar nicht auf (Link).
Daraus können wir schonmal mit hoher Wahrscheinlichkeit schlussfolgern: Wir reden hier nicht über Touristen! Im Post des Volksverpetzers wird aber genau das suggeriert:
Dann sagst du:
Ganz ehrlich, hast du dazu empirische Daten? Das würde mich interessieren. Natürlich kenne ich die Debatten, außer viel Empörung ist mir aber noch nicht viel Belastbares über den Weg gelaufen. Lasse mich da gerne belehren. Das Racial Profiling der Polizei basiert ja schlussendlich auf den Kriminalitätsstatistiken. Wenn wir das in einer Henne-Ei-Problematik betrachten, war dann natürlich zuerst die Kriminalitätsstatistik da und nicht das Racial Profiling. Ergo waren die Ausländer zuerst kriminell und dann wurden sie öfter kontrolliert.
Außer wir nehmen an, dass die Polizei grundsätzlich rassistisch ist. Wenn du dazu Daten hast, lass uns gerne darüber sprechen. Wir sollten es nur nicht als gefühlte Wahrheit in den Raum stellen, wenn es sich nicht belegen lässt.
Du schreibst des Weiteren:
Dies lässt sich ja relativ einfach aus den Statistiken herausfiltern, die Polizei tut dies auch. Nennt sich dann “Straftaten ohne ausländerrechtliche Verstöße”.
Hier habe ich mir mal exemplarisch die gesamtdeutsche Kriminalstatistik der Bundesinnenministerkonferenz von 2023 ageschaut: Link. Dort finden wir unter Punkt 7.2 eben jene Straftaten ohne ausländerrechtliche Verstöße:
Bei Erwachsenen ab 21 Jahren sind dort in absoluten Zahlen straffällig gewesen:
Bei einem Ausländeranteil von 15,2% in 2023, müssten die 1,018 Mio. Deutsche entsprechend 84,8% der Kriminalfälle ausmachen. Legt man dies zu Grunde, dürften statistisch proportional aber nur 182544 Nicht-Deutsche straffällig werden. Die Quote gemessen an der Gesamtbevölkerung ist in dieser Alterskohorte also mehr als doppelt so hoch. Wenn man dies z.B. für Kinder (0-14 Jahren) betrachtet ergibt sich ein ähnlich hoher Wert.
Damit wäre aus meiner Sicht auch folgendes Argument (in spezieller Betrachtung der verschiedenen Bevölkerungsgruppen) entkräfitgt:
Bleibt die Milieufrage. Schwierig zu disktuieren, weil es imho die Daten dzau schlichtweg nicht gibt. Da finde ich deine Argumentation aber eher plausibel. Möglich, dass Deutsche genauso kriminell wären wie manch ausgewiesene Bevölkerungsgruppe, wenn sie einen ähnlichen kulturellen und/oder sozio-ökonomischen Background hätten.
Dann stellt sich mir aber die Frage, warum wir das als Argument nehmen sollte, um diese, in diesem Moment kriminellen Bevölkerungsgruppen hier zu akzeptieren?
Anders ausgedrückt: Natürlich könnte man, wenn man diese Daten hätte, sagen, entsprechenden Gruppen sind nicht krimineller als Deutsche. Das ist dann aber kein Argument, genau diese Kriminellen mit Samthandschuhen anzufassen und zu sagen, wir hätten kein Problem.
Wenn z.B. junge Männer ein Problem sind, ist es dann sinnvoll den Anteil junger Männer an der Gesamtbevölkerung zu erhöhen? Mit Menschen die nichtmal unsere Werte teilen? Ich finde das schwierig. Das ist imho auch kein Naziargument.
Wenn sich jemand entschließt hierher zu kommen ist das schön, aber ich glaube an eine liberale Gesellschaft, dies setzt ein liberales Menschenbild voraus; Das widerum bedeutet, ich möchte zu einem großen Teil davon ausgehen, dass Mensche nicht reine Gefangene ihrer Umstände sind. Ich kann also eine doppelt so hohe Kriminalitätsrate unter Nicht-Deutschen nicht einfach mit einer Milieuargumentation weg-entschuldigen.
Ich hoffe, die Erklärungen gehen etwas tiefer. Ich würde mich über eine Antwort freuen.
Deskriptiv ist zu erkennen, dass Gewalttaten am seltensten zur Anzeige gebracht wurden, wenn sowohl Opfer als auch Täterinnen- deutscher Herkunft waren (6.6 %). Im Gegensatz dazu wurde die Tat am häufigsten zur Anzeige ge- bracht, wenn sowohl das Opfer als auch die Täterinnen einen Migrationshintergrund hatten (15.5 %). Opfer mit deutscher Herkunft zeigten Täter*innen mit Migrationshintergrund etwas häufiger an (12.0 %)
aus https://kfn.de/wp-content/uploads/2024/06/FB_169.pdf#page=64
S.60
https://www.ndr.de/nachrichten/hamburg/Studie-Fast-jeder-vierte-Hamburger-Polizist-politisch-rechts-bis-rechtsaussen,polizei7470.html
Davon ab wehrt sich die Polizei ja seit Jahren erfolgreich gegen eine ernsthafte Erforschung dieser Frage, in sofern erstaunlich, dass wir überhaupt solche Daten wie oben haben.
1.) Also zu deiner ersten Statistik. Da unterschlägst du ja passend den letzten Satz:
Deutsche zeigen Deutsche, warum auch immer, weniger an. Ausländer zeigen Ausländer häufiger an. Sind die etwa rassistisch untereinander? Die mixed cases mit 12% vs 10.6% würde ich jetzt ehrlich gesagt nicht überinterpretieren. Hier könnte ich mir einen Einfluss von rassistischer Angst vorstellen, aber der Unterschied ist wirklich nicht groß, oder siehst du das anders?
Jetzt müsste man mal schauen welche Straftaten da im Detail begangen wurden, um nochmal mehr sagen zu können. Davon unabhängig zeigt sich für mich aber erstmal ein ziemlich unrassistisches Bild.
Weiter unten liest man dann auch:
Jetzt müsste man wissen, ob Ausländer und Deutsche im selben Maße entsprechende Straftaten begehn. Ist dem nicht der Fall, wäre schwups der hier gesehene “Racial Bias” verschwunden. Die Aufschlüsselung dieser Daten wird aber verschwiegen. Warum eigentlich?
Und vor allem, was hat die Statistik bitte mit der Strafverfolgung durch die Polizei zutun, auf die ich mich initial bezogen habe? Garnix. Auf der Seite geht es nur um Jugendkriminalität…
2.) Kommen wir zu deiner zweiten Statistik: Hier handelt es sich um eine freiwillige Befragung. Repräsentativ sind die erhobenen Daten daher vermutlich erstmal nicht. Aber schauen wir einmal etwas auf die Daten. Eine anscheinend große Anzahl an Polizisten sieht sich selbst als rechts. Also laut Studie 18%. Das ist im Übrigen weit entfernt von 25%, anders als die Überschrift zu erkennen geben mag. Das ist nämlich nichtmal jeder fünfte Polizist. Die Überschrift des Artikels fabuliert von “fast jeder Vierte”. Also sorry, wenn das nicht Meinungsmache ist, lol.
Wenn wir dann auch noch weitergehend auf die Daten schauen, sehen wir, dass zwar eine erhebliche Anzahl dieser Polizisten eine “Abwertung asylsuchender Menschen” zustimmend gegenübersteht (Was heisst das überhaupt? Müsste man die Studie mal lesen), nämlich 45,1%, dass aber auch gleichzeitig nur 6,9% der befragten Polizisten einer Ausländerfeindlichkeit zustimmend gegenüber standen. Wie passt denn das zusammen?
Die Polizisten sind vielleicht rechts (was gemeinhin auch konservativ bedeuten kann), aber eben keine Ausländerhasser, oder Rassisten. Vielleicht haben sie aber genau die Erfahrung gemacht über die wir hier reden: Viele Flüchtlinge oder Asylsuchende sind ein Problem in ihrer Alltagsrealität. Das führt zu der Diskrepanz zwischen diesen Zahlen.
Ehrlich gesgat sogar ziemlich differenzierend von den Polizisten, oder?
Um das zu verstehen, muss man aber die Artikel auch lesen. Denn wenn ich dir unterstelle, du hast den Artikel gelesen, dann müsste dir das eigentlich aufgefallen sein und dann würdest du böswillig falsch interpretieren.
Ob jetzt die 6,9% Fremdenfeindlichkeit ein Problem sind? Ich glaube ja.
Torpfosten verschieben dein Lieblingssport? Du fragst “Hast du Beweise, dass Ausländer häufiger angezeigt werden?” Da ist die Antwort. Ja, werden sie. Ist doch egal, ob von anderen Ausländern oder von Deutschen, ihre Namen landen statistisch häufiger bei der Polizei, damit in der PKS, weil es eben eine dumme Eingangsstatistik ist. Ist sogar eher noch verschärfend, weil Ausländer auch überdurchschnittlich öfter Opfer von Verbrechen werden. Wenn also überdurchschnittlich viele Opfer die Täter anzeigen, wird daraus auch mehr “Kriminelle Ausländer, schlimmschlimm”. Ist also doppelt verschoben die Statistik.
Und das findest du nicht eher beunruhigend? Da sagen freiwillig Menschen, die eigentlich wissen sollten, was die “richtige” Antwort ist, “Na klar hab ich eine schlechte Meinung von Asylbewerbern”. Das finde ich ganz schön gruselig. Aber eine echte wissenschaftliche Untersuchung wird ja wie gesagt seit Jahren und Jahrzehnten verhindert. Aber man muss kein Genie sein, um aus den ganzen Einzelmeldungen von “Hupsi, wieder ein Polizeichat mit Hakenkreuzen aufgeflogen. Wieder Daten von linken Anwälten aus Polizeicomputern weitergegeben worden.” zu schließen, dass es vielleicht ein systemisches Problem ist. Zumindest ist noch keine Commerzbank-Investmentbänkergruppe oder Pflegergruppe mit Hakenkreuzchats aufgefallen.
Im Übrigen “Viele abwertend ggü. Asylbewerbern, aber nicht rassistisch” ist doch der ultimativ klassische Ansatz bei der Selbstbefragung von Rassisten. Meine Schwiegereltern würden bei einer Selbstauskunft auch völlig ehrlich überzeugt sagen “Nein, wir sind keine Rassisten. Unser türkischer Nachbar ist voll nett, mit dem reden wir sogar, also können wir keine Rassisten sein. Aber die ganzen Asylbewerber sind alles Messerstecher, Mädchenmörder und Vergewaltiger.” Das ist doch der urklassischste Trope der Welt. “Ich bin kein Rassist, ich kenne einen Schwarzen”.
Wie oben bereits geschrieben, legt die Statistik nahe, dass Deutsche Deutsche weniger anzeigen, weil die Straftaten eben geringfügiger sind. Ist natürlich eine Interpretation. Wäre aber gut, wenn du meine Kritik an den Zahlen auch liest und mir nicht das Wort im Munde herumdrehst.
Schau mal, man kann sich natürlich erstmal alles irgendwie zusammen schwurbeln. Du theoretisierst hier, dass das ein typisches rassistisches Argumentationsmuster ist. Es könnte aber auch genauso gut echte Lebenserfahrung der Polizisten sein.
Wir wissen es beide nicht, aber ich finde es erkenntnisfeindlich, wenn du dich einfach auf deine Interpretation versteifst und das als Wahrheit ansiehst, obwohl du im Grunde nichts weisst.
Mir vorwerfen, ich schwurbele mir was zusammen, das meine Weltsicht stützt, und sich dann eine Interpretation ausdenken “Bestimmt begehen die ganzen kriminellen Ausländer schlimmere Straftaten und werden deshalb öfter angezeigt. Es kann niemals nicht Rassismus sein, der ist nämlich überwunden” 😅 . Genau mein Humor.
Soso. Welche Lebenserfahrung rechtfertigt denn, ganze Gruppen von vornherein herabzuwürdigen? Das ist ja interessant. Ich finde, Polizisten dürfen gar keine voreingenommene Meinung über ganze Menschengruppen haben.
Du liest auch nur was du lesen möchtest, oder?
Ich lese nur, was ich lesen möchte und du antwortest nicht auf meine Fragen. Haben wir uns wohl gegenseitig verdient ¯\_(ツ)_/¯
Ich glaube, dass da ein großes Elemente drin steckt, das sich durch alle Posts durchzieht:
Diese Idee, dass irgendwer “den Anteil junger Männer erhöht”. Das ist aus meiner Sicht grundfalsch. Was passiert, ist, dass sich Leute auf den Weg nach Europa machen, weil sie sich davon ein besseres Leben versprechen. Das können so Dinge sein wie der Terror der Taliban, russische Bombardements in Syrien, aber auch einfach die Hoffnung auf ein besseres Leben. Du kannst selbst mal überlegen, ob du noch in Deutschland wärst, wenn es irgendwo auf der Welt ein Land gäbe, wo du das 100fache verdienen könntest, dafür aber eine gefährliche Reise auf dich nehmen musst. Was ich hier aber sagen will: Es erhöht keiner den Anteil, die Leute stehen einfach vor der Tür und können halt auch schlecht wieder ins Taliban-Afghanistan zurückgeschickt werden, weil das ein absolutes Kackland ist. Und ja, es ist ein riesiges Problem, dass Frauen diese Reise seltener machen können aus diversen furchtbar unmenschlichen Gründen. Schau dir an, was in Libyen passiert und du weißt, dass du als hübsche junge Frau nie nach Deutschland kommen wirst. Das ist kacke - aber wie beim Poker muss man halt mit den Karten spielen und es ist diese große Selbsttäuschung der Rechten, dass Migration irgendwie steuerbar wäre. Zumindest, wenn man halbwegs demokratisch und rechtsstaatlich bleiben will.