Ich bin gar nicht so überzeugt, dass das so viel mit mangelnder Medienkompetenz im Vergleich zu Jüngeren zusammenhängt, die jüngeren “Digital Natives” werden oft überschätzt. Ich denke, dass es eher eine Rolle spielt, was verfängt und was nicht - Ältere Generationen wurden anders sozialisiert als Jüngere und werden 50+ mit spürbarem Älterwerden, Altersdiskriminierung und Renteneintritt (der für viele Altersarmut bedeutet) konfrontiert, da kann man sich schnell radikalisieren wenn man vorher eh schon esotherisch drauf war, oder vielleicht ausländerfeindlich oder schwulenfeindlich ist und plötzlich ständig vorgehalten bekommt, dass das nicht mehr in Ordnung ist.
Mal unter der Prämisse, dass es überhaupt stimmt, dass Ältere anfälliger sind. Die erwähnten Beratungsstellen sind ja nicht zwingend repräsentativ für alle Beratungsstellen, und es ist sicher auch nicht für alle Gruppen gleich wahrscheinlich, dass sie oder ihre Angehörigen zu einer Beratungsstelle gehen.
die jüngeren “Digital Natives” werden oft überschätzt.
Ja. Viele der sogenannten “digital natives” können auch nicht mehr, als irgendwelche Smartphone-Apps installieren. Und die Technik ist inzwischen so verdummt, dass das auch ein dressierter Affe kann.
Kompetenter Umgang mit einer riesigen Informationsflut wurde und wird in Deutschland nicht systematisch gelehrt. Wer sich das nicht selbst beibringt, oder viel Glück hat, das von jemandem zu lernen, der das kann, hat halt Pech gehabt.
Kritischer Umgang mit vermeintlichen Informationen bekommt man auch nicht unbedingt beigebracht. Ich kenne Leute, die haben in der Schule unironisch gelernt, dass die Sachen, die in der Bild-“Zeitung” stehen, nur deshalb manchmal nicht stimmen, weil die so schnell sind und deshalb weniger Zeit zum Nachprüfen haben.
Gerade einmal nachgeschaut, das fand ich spannend. Als Digital Natives werden die Jahrgänge 1981-2010 bezeichnet. Wer 15 oder jünger ist, ist also schon per Definition nicht mehr digital native.
Also Ich merke im persönlichen Umfeld das grade Ältere mit relativ hochwertiger produzierten Videoinhalten (vor allem auf Youtube, weniger TikTok) und Büchern aber nicht mit “News” und Zeitungen allgemein viel unkritischer sind. Ich vermute da ist immernoch so ein Stück Glaube das nur “renomierte” Quellen es sich leisten können so was zu produzieren.
Ich habe nie verstanden, wie mein Opa so häufig “Das habe die aber im Fernsehen gezeigt!” als ernsthaftes Argument verwenden konnte, obwohl er in der DDR aufgewachsen war und eigentlich genau wusste, wie Medienkontrolle funktioniert. Gefühlsmäßig sind da langfristig nur zwei Denkweisen rausgekommen, entweder “jetzt ist alles wahr” oder “die Lügenpresse bescheißt uns sowieso”, ohne irgendeinen Mittelweg mit eigener Medienkompetenz und Meinungsbildung zu einzelnen Presseinformationen…
Ich vermute er hat das Argument auch instinktiv in medienkonstruktivistischer Sicht gesehen - d.h. alle sehen es, daher ist es objektiv und somit die gültige Wahrnehmung/ Wahrheit.
Wenn man keine gemeinsame Wahrheit hat, jeder Influencer, Tiktoker und President alles behaupten kann und alles relativ ist, dann zerfällt das gemeinschaftliche Erleben und somit die Gesellschaft. Wait a second. Fck that’s now.
Ich finde diesen Punkt ausschlaggebend. Ich arbeite gerade in meiner Familie die gemeinsame Geschichte auf. Und ja, die Nachkriegsgeneration ist von Nazi‘s erzogen worden. Die waren menschenverachtend, haben geschlagen und missbraucht. Das darf man nicht vergessen.
Mit so einer Kindheit ist es schwer über Gefühle und Bedürfnisse zu reden.
Eine der Ursachen für die Radikalisierung sei der Umstand, dass die Kriegs- und Nachkriegsgeneration es „nicht gelernt hat, über ihre Gefühle und Bedürfnisse zu sprechen.“ Im familiären Miteinander sollten deshalb Jüngere und Ältere gemeinsam üben, über ihre Emotionen und Erfahrungen zu reden – auch über die Dinge, die einen ohnmächtig machen. „So kann Aussöhnung beginnen.“